WERKBÜHNE BERLIN

 

Nach

Damaskus



Dramentrilogie von

August Strindberg

 


Besetzung
Projektbeschreibung
Pressestimmen



Verena Andresen und Jürgen Larys
Foto: Thomas Weber

 

 

 

 

 

 

 

 


Besetzungsplan - Nach Damaskus


Der Unbekannte
  Jürgen Larys
Die Dame
  Verena Andresen
die Mutter
  Annette Kurz
Arzt/ Versucher
  Hans-Georg Gantert
Bettler/ Konfessor
  Andreas Loos
Cäsar/ Großvater u. a.
  Steven Maryns
div. Frauenrollen
  Claire Guerrier
div. Frauenrollen
  Britta Scheerer
div. Männerrollen
  Ralf Dinnendahl
     
Regie
  Jobst Langhans
Assistenz
  Elfi Vogt und
Claudius Klein
Bühnenbild
  Monika Hannsz
Kostüme
  Clarissa Bruhn
Musik
  Michael Rodach
Lightdesign
  prometheus lighting, Peter Jackson
Dramaturgie
  Dr. Hans Paul Fiechter
Dramaturgische Beratung
  Joachim Daniel
     
Tourneeplanung
  [pass] performing arts services, basel
Jurriaan Cooiman

Coproduktion der SCALA BASEL und der WERKBÜHNE BERLIN
Premiere: 23. März 2001 Basel
Weitere Aufführungen: Stuttgart, Berlin, Kassel, Hamburg
gefördert durch die Alexanderstiftung und das TheaterForum Stuttgart
unterstützt durch die Schwedische Botschaft Berlin
Nominiert für das Impulsefestival 2001 NRW

 

 

 


Projektbeschreibung - Nach Damaskus


1901 beendete Strindberg (1849-1912) die Arbeit an seiner Dramentrilogie "Nach Damaskus". Das Werk kann als Strindbergs "Faust" bezeichnet werden und ist ein Gegenentwurf zu "Peer Gynt" von Henrik Ibsen - der Endpunkt eines langen Krieges mit dem alten Ich.

 

Als junger Autor trat Strindberg zunächst als kompromißloser Naturalist und erbarmungsloser Gesellschaftskritiker an die Öffentlichkeit. Berühmt und zugleich berüchtigt wurde er durch seine Schriften gegen den Staat, die Kirche und insbesondere gegenüber der "heiligen Institution Ehe". Dies führte zu seiner gesellschaftlichen Ächtung, zum Zerwürfnis mit nahezu allen Freunden und letztlich zur Flucht aus Schweden.

 

1895 geriet Strindberg in eine schwere seelische Krise, die er als seine "Infernokrise" bezeichnete. Sie erschütterte sein Weltbild fundamental. Er wurde mit Erfahrungen konfrontiert, die sich seinen bisherigen Erklärungsmöglichkeiten entzogen und so begann er, wie viele Künstler seiner Zeit, sich mit religiösen Fragen, mit Alchimie und Okkultismus zu befassen, um den tieferen Hintergrund seiner Erlebnisse zu verstehen.

 

Mit "Nach Damaskus" zieht Strindberg Bilanz und verarbeitet sein bisheriges Leben literarisch. War er zunächst ein glühender Vertreter des Postulates "Gott ist tot", so wartet er nun mit ungewohnten Motiven und neuen Sichtweisen auf, um die Rätsel der menschlichen Existenz aufzuhellen und bekennt, daß er eine Religio, eine Wiederanbindung braucht, um den Frieden mit sich und der Welt zu finden; der literarische Saulus wandelt sich zum Paulus.

 

Beeindruckend an dem Werk ist die Aufrichtigkeit, mit der Strindberg sein Leben in der Gestalt des "Unbekannten" reflektiert und offen legt. Alle Irrtümer, Höhen und Tiefen - der zynische Menschenverächter und Frauenfeind, der cäsaristische Despot, der fanatische und skrupellose Forscher, aber auch der Mensch, der den Mut hat, sich dem schmerzhaften Blick in die eigenen, tief verwurzelten Schwächen auszusetzen - werden in schonungsloser Selbsterkenntnis vorgeführt.

 

Studiert man Strindbergs Biographie, so entsteht der Eindruck, als habe er sein Leben oft bewußt inszeniert, um an existentielle Grenzerfahrungen zu gelangen, womit er eine Lebenshaltung vorwegnahm, die heute weit verbreitet ist; das Leben in Grenzsituationen, um "die Seele so stark zu erschüttern, daß sie das wahre Ich gebiert."

 

Strindberg legte mit seinem Werk den Grundstein für die moderne schwedische Sprache und Kultur. Vor dem kulturellen Hintergrund des beginnenden 21. Jahrhunderts, wo Infernokrisen den Globus flächendeckend überziehen, gewinnt sein Werk jedoch eine zusätzliche Dimension: Es zeigt, daß Infernokrisen zwar nicht umgangen werden können, aber meisterbar sind, wenn man die Welt von einem anderen Standpunkt aus betrachtet - von dem Weg "Nach Damaskus" aus.

 

"Nach Damaskus" markiert sowohl in Strindbergs Gesamtwerk, als auch in der modernen Theatergeschichte einen wichtigen Wendepunkt. Strindberg erfindet in "Nach Damaskus" alte stilistische Elemente neu, indem er versucht nicht nur naturalistische, sondern auch seelische und geistige Räume poetisch zu fassen. Diese Stilistik wurde insbesondere von Autoren des absurden Theaters aufgegriffen und weiterentwickelt. Strindberg verdichtete sie später in seinem "Traumspiel".

Hansgeorg Gantert und Jürgen Larys
Foto: Thomas Weber

Steven Maryns
Foto: Thomas Weber

Jürgen Larys und Britta Scheerer
Foto: Thomas Weber

Hangsgeorg Gantert, Ralf Dinnendahl
und Steven Maryns
Foto: Thomas Weber

 


Pressestimmen - Nach Damaskus

(...) Angesichts der heutigen egomanischen Zeitgeistkultur wirkt der Text teils wie aktuelle Gesellschaftskritik, ansonsten ist die Inszenierung eher modern konventionell. (…) Sollte man gesehen haben
(Till Schröder) Zitty - Illustrierte Stadtzeigung Berlin - Nr.11/2001


(…) ein Abend von knapp fünf Stunden, den die Schauspielertruppe um den Regisseur Jobst Langhans dem Publikum zumutet. Doch die Zumutung lohnt. Den eindrucksvoll agierenden Schauspielern reichen zwei Stellwände, ein Podest und ein paar Bänke und Stühle, um eine Welt zwischen Gebirge, Kloster und Rosenkammer zu imaginieren. (…)
(Jutta Behnen) Der Tagesspiegel vom 13.05.01


(…) Die WERKBÜHNE demonstriert in rührender Blauäugigkeit, wie Strindberg heute auf gar keinen Fall mehr funktioniert. (…)
(Michelis) Die Welt Sa.12.05.01


(…) Eine Herausforderung für Körper und Geist (…) ein hoch beeindruckendes Theatererlebnis, dieses Stück zu sehen.
Zeitschrift Die Drei 5/01


(…) Anstrengend ist dieser Theaterabend, wegen seiner schlichten Bilder und schauspielerischen Dichte aber auch reizvoll (…)
(Horst Lohr) Suttgarter Nachrichten vom 07.04.2001


(…) vier volle Stunden Theater, die fesseln. (…) eine Gratwanderung zwischen solider Ausschöpfung des philosophischen Gehalts dieses Stücks und wunderbarer Komik. (…)
(Cord Beintmann) Stuttgarter Zeitung vom 06.04.2001


(…) Der Versuch, das sperrige Werk nun doch und in ganzer Länge aufzuführen, ist sehr verdienstvoll. (…) Regisseur Jobst Langhans mutet den Zuschauern durchaus etwas zu, was ihn und diese ehrt. Nie wird in billige Trickkisten gegriffen oder der Text platt aktualisiert oder überinterpretiert.
(Joerg Jermann) Basellandschafltiche Zeitung vom 27.03.2001


(…) eindrücklich inszeniert. Die Schauspieler brillierten. Das Stück bewegt und entbehrt nicht aktueller Bezüge.
(Cornelia Thürlemann) Basler Zeitung vom 26.03.2001


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