WERKBÜHNE BERLIN

 

Amphitryon



Heinrich von Kleist

Ein Lustspiel nach Molière

 



9. Burgtheatersommer 2005 auf Burg Roßlau

 

Regie: Claudius Klein
Bühne und Kostüme: Nadine Kälin
Licht: Christoph Wüst

Mit: Anja Behrens, Wolf Hedrich, Magdalene Hurka,
Steffen Neupert, Ralph Stieber und Thomas Weppel.

Eine Produktion der Werkbühne Berlin und der Fraueninitiative Roßlau e.V.

Premiere: 11. August 2005 um 20 Uhr
auf Burg Roßlau in Roßlau a.d. Elbe
Weitere Termine: 12. - 14. und 18. - 21. August 2005
jeweils um 20 Uhr
Kartentelefon: 034901-53654

Gefördert von: Lotto-Toto GmbH Sachsen-Anhalt,
Land Sachsen-Anhalt, Stadt Roßlau und Landkreis Anhalt Zerbst.

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Es ist Krieg. Amphitryon, der Feldherr der Thebaner, hat sich schon lange nicht mehr zuhause blicken lassen, wo seine Frau Alkmene auf ihn wartet. Diese Gelegenheit nutzt Jupiter, der Göttervater, um sie zu verführen. Weil aber Alkmene zu treu ist, um sich jemand anderem als ihrem Gatten hinzugeben, nimmt Jupiter dessen Gestalt an und erlebt mit ihr eine berauschende Liebesnacht. Am nächsten Tag kehrt der echte Amphitryon zurück und ist natürlich überrascht, zu hören, daß er schon da war, während Alkmene sich sein widersprüchliches Verhalten nicht erklären kann. Die Verwirrung wird durch weitere Eingriffe Jupiters immer mehr gesteigert und findet schließlich ihren Höhepunkt in einer Gegenüberstellung der beiden Amphitryone, bei der Alkmene entscheiden soll, welcher der echte ist... Kleist hat aus diesem Stoff, der zu den beliebtesten der Weltliteratur gehört, ein Spiel um die menschliche Identität geformt, das sich durch eine einzigartige Balance zwischen poetischem Tiefsinn und absurder Komik auszeichnet. Thomas Mann hat es begeistert "das witzig-anmutsvollste, das geistreichste, das tiefste und schönste Theaterspielwerk der Welt genannt". Die Verdopplung Amphitryons ist hier nicht nur der Anlaß unterhaltsamer Verwicklungen, sondern der Ausdruck einer Spaltung, die im Titelhelden tatsächlich vorhanden ist und durch das Auftreten des Gottes anschaulich wird. Wenn der falsche Amphitryon sagt: "Sie sind dem Krieg geraubt, die Augenblicke, / Die ich der Liebe opfernd dargebracht", dann bringt er das Dilemma des echten Amphitryon auf den Punkt. Denn der ist mit sich selbst nicht identisch, weil ihn das Leben in einer unmenschlichen Welt daran hindert, er selbst zu sein, das zu verwirklichen, was in ihm steckt. Deshalb hat Alkmene recht, wenn sie den Gott für den echten Amphitryon hält, denn in ihm erblickt sie das Ideal ihres Geliebten. Und sie hat unrecht, weil eine Liebe, die nur auf das Ideal blickt und nicht auch die unvollkommene Wirklichkeit mit einschließt, selbst unwirklich ist.

 

 

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